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29.02.2024 Kultur

Kunst und Kul­tur für die kom­men­den 5 Jahre in der Stadt

Das kulturpolitische Ziel der Bürgerliste in den kommenden Jahren ist es, die zeitgenössische Kunst in den Vordergrund zu stellen. In den letzten 5 Jahren wurden einige finanziell umfangreiche Projekte auf den Weg gebracht, die sich vor allem mit Kunst&Kultur der Vergangenheit beschäftigen.

Jetzt muss eine Kehrtwende in der Kulturpolitik erfolgen: Die Bedürfnisse der Menschen, die jetzt und in Zukunft im Bereich Kunst&Kultur arbeiten, haben oberste Priorität.

 

Dabei sehen wir den Wert den Kunst&Kultur für eine Stadtgesellschaft wesentlich umfangreicher als lediglich Besucherzahlen und Einnahmen. Kunst&Kultur sind gemeinsam mit der Zivilgesellschaft und freien Medien die notwendige Voraussetzung für eine demokratische und freie Stadtgesellschaft.

Und wir sehen mit Bedauern, dass die Resilienz unserer Gesellschaft in Gefahr ist, dass es dringend einen starken, vielfältigen Ort der Auseinandersetzung braucht, und dieser Ort ist – nach unserer Vorstellung –  die ganze Stadt.

 

 

 

Kunst und Kultur brauchen Raum.

 

Der Raum für das aktuelle Pressegespräch ist beispielhaft für die Nutzung von Leerstand für Kunst&Kultur. Wo früher das beste Spielzeuggeschäft in Innenstadt war, wird heute Tanz&Theater geprobt und gearbeitet.

 

Die Initiative dafür kommt von Myrto Dimitriadou von der BRELOQUE Theater Group. Vor genau 40 Jahren hat sie das Toihaus mitbegründet und es danach auch jahrelang geleitet. Sie hat lange Zeit Raum gesucht, diesen Leerstand entdeckt und das Gespräch mit dem Vermieter gesucht. Mittlerweile gibt es den Trägerverein “Der leere Raum”, der als Mieter agiert, einen zeitlich befristeten Mitvertrag und für das erste Jahr dieser Nutzung (2023) auch eine kleine Unterstützung des Trägervereines durch Stadt und Land. Der Raum wird nicht nur von der BRELOQUE Theater Group genutzt, auch zahlreiche andere freie Gruppen im Bereich der darstellenden Kunst arbeiten hier.

 

 

Anhand dieses Beispiels ziehen wir folgende politische Schlüsse:

Eigeninitiativen unterstützen: Kultur weiß, was sie braucht und was sie sucht; die Politik muss diese Qualitäten schätzen und unterstützen. Die Leerstandsinitiative „Super“ wurde in den letzten Jahren unter der Führung der ÖVP finanziell gekürzt. Angesichts des gegenwärtigen Leerstands in unserer Stadt, ist diese Vorgangsweise geradezu absurd. Das Budget für „Super“ und ähnlichen Initiativen muss signifikant erhöht werden

 

 

Auch Arbeitsraum ist zu teuer: Nur wer versteht wie Kunst&Kultur arbeiten, kann auch die politischen Rahmenbedingungen dafür schaffen. Dazu braucht es auch die Bereitschaft, Anschubfinanzierungen zu geben. Gerade am Anfang einer kulturellen Initiative sind Fördergeber abwartend und vorsichtig. Die Finanzierung von Raum, auch als Zwischennutzung von Leerstand, für Kunst&Kultur muss schnell eingerichtet werden.

Dieses Thema überschneidet sich mit einem wirtschaftspolitischen Thema: Kleinere Unternehmen und EPU´s im Bereich der sog „Kreativwirtschaft“ sind ebenso mit den enormen Kostensteigerungen für Arbeitsraum konfrontiert und verlassen den Standort Salzburg. Daher fordern wir eine Neuaufstellung der Wirtschaftsförderung, die diese Menschen unterstützen muss, damit sie weiterhin in und für Salzburg tätig sein können.

 

 

Freiwerdende Immobilien nicht einfach best-bietend, privat verkaufen: Es wird sich viel verändern in der Stadt in den nächsten Jahren. Beispielsweise wird mit der Fertigstellung des Landesdienstleistungszentrums dort viel Raum und Fläche frei, wo jetzt die Verwaltung arbeitet. Das betrifft vor allem Immobilien in der Innenstadt. Auch das UKH wird den Standort wechseln. Wir fordern, dass Raum, der im Eigentum der öffentlichen Hand ist, sinnvoll und gemeinnützig weiter genutzt wird, auch für Kunst&Kultur.

 

Servicestelle Leerstand: Dort wo Raum im privaten Eigentum frei wird und ungenutzt leer steht, sollte die Stadt eine aktive und koordinierende Vermittlungsfunktion einnehmen.

Eine Servicestelle für den Leerstand kann nicht beim touristischen Altstadtverband angesiedelt sein. Hier steht die Stadt selbst in der Verantwortung.

 

 

Neben dieser zentralen Frage des leistbaren Raumangebotes für zeitgenössische Kunst ist kulturpolitisch viel zu tun.

 

 

 

Für die kommenden Jahre fordern wir:

 

  • Salzburg braucht ein anderes Kulturbudget, das der Bedeutung der Kultur in unserer Stadt entspricht. Anders bedeutet, den kulturellen Entwicklungen der Gesellschaft und der Kunst zu entsprechen. Die Kulturförderung der Stadt muss sich an den Anforderungen der Kultur orientieren und nicht umgekehrt.
    Die Inflationsrate muss Grundlage für die Jährlichen Budgeterhöhungen sein und darf nicht nur einmalig (2024) für die Häuser mit Mifri-Vereinbarungen gewährt werden

 

  • Wir fordern die Erhöhung des freien Förderbudgets vor allem für die Jahres- und Projektförderungen. Diese wurden in den letzten Jahren im Wesentlichen fortgeschrieben. Aber Fortschreibungen sind reale Kürzungen.

 

 

  • Die Bezahlung nach Fair Pay muss auch für die Bereiche der Künstler:innenhonorare und der freien Dienstnehmer:innen gelten. Die Fördersummen müssen diese Mindeststandards berücksichtigen.
    Die Fair Pay Zuschüsse sind daher nicht mehr als Sonderzahlungen, sondern als Bestandteil der jeweiligen Förderungen vorzusehen und müssen vom Fördernehmer entsprechend ausgewiesen werden.

 

 

  • Kulturpolitik muss in die Stadtentwicklung integriert werden. Daher setzen wir uns dafür ein, dass Stadtteilkulturzentren aufgebaut werden und in Wohnquartieren gemeinschaftliche Kreativräume und soziokulturelle Treffpunkte eingeplant werden.

 

  • Wir werden Kulturinitiativen dabei unterstützen, einen gemeinsamen Ressourcenpool (materiell, personell, Know-how) aufzubauen und künstlerische Infrastruktur (Ausstellungsräume, Bühnen, Proberäume, Werkstätten, technisches Equipment) kooperativ zu nutzen.

 

  • Wir fordern Clubkultur und Jugendkultur als Förderschwerpunkt. Jugendkultur ist mehr als das Festival 5020. Jugendkultur findet ganzjährig statt und braucht daher auch ganzjährig mehr öffentliche Unterstützung. Für den Bereich der Veranstaltungen und Events muss die regionale Szene stärker in Programmatik und Durchführung mit eingebunden werden. Die Vergnügungssteuer für Veranstaltungen muss abgeschafft werden. Formen der Beteiligung haben besondere Bedeutung:  Kinder und Jugendliche, unabhängig von Herkunft und sozialem Status, sollen die Möglichkeit haben, selbst künstlerisch tätig zu werden und die kulturellen Angebote der Stadt kostengünstig zu nutzen.

 

  • Zeitgenössisches Kunst- und Kulturschaffen braucht Freiräume und Entwicklungsmöglichkeiten. Der öffentliche Raum in unserer Stadt muss konsequent für zeitgenössische Kunst und Kultur geöffnet werden.

 

  • Wir setzen uns dafür ein, dass die Salzburger Film- und Medienlandschaft finanziell und strukturell gestärkt wird. Wir brauchen eine vielfältige und unabhängige regionale Film- und Medienlandschaft. Öffentlichkeit zu bekommen darf nicht von einer Aufmerksamkeitskultur der Klicks und Likes dominiert werden. Kulturelle Vielfalt und Beteiligung muss auch Minderheiten einer Stadtgesellschaft sichtbar machen.
    Ein neues Fotomuseum zu errichten ist für uns nicht sinnvoll. Die bestehenden Einrichtungen müssen gestärkt werden und beim Aufbau und der Weiterentwicklung eines öffentliches zugängliches, digitales Salzburger Photo- und Filmarchives unterstützt werden.

 

  • Kunst und Kultur sind in vielen Bereichen noch von traditionellen Rollenbildern geprägt, auch die Führung der kulturellen Einrichtungen. Wir unterstützen Maßnahmen zur gezielten Förderung von künstlerischen und kulturellen Projekten von und für Frauen sowie von Frauen in Führungspositionen in städtischen Kunst- und Kultureinrichtungen.

 

  • Beteiligung und freier Zugang
    Viele Menschen in unserer Stadt kennen die Häuser der Kunst&Kultur nur von außen. Wir müssen die Häuser öffnen, Zugänge erleichtern und Kommunikation an die Gegenwart anpassen. Ebenso sollten wir Programme unterstützen, die aus den Häusern heraus Kunst&Kultur dorthin bringen wo genau diese Menschen leben und arbeiten. Weniger Bespaßung, mehr Beteiligung!
    Dazu fordern wir den kostenlosen Eintritt in Museen für Schüler:innen und Studierende: Kultur muss für alle leistbar sein und daher der Eintritt in Museen für junge Menschen gratis.

 

Anna Schiester

Salzburger Stadträtin für Bau

Telefon: 0662/8072-2010

[email protected]
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