Fünf NS-Straßen werden umbenannt
Die Stadt Salzburg wird in den nächsten Jahren fünf weitere Nazi-Straßen umbenennen. Der Kulturausschuss hat heute, Donnerstag, mit den Stimmen von SPÖ, KPÖ und Bürgerliste den Weg dazu freigemacht.
Mehr als 80 Jahre nach der Befreiung sind in der Stadt Salzburg immer noch mehr Straßen nach Nazis benannt, als nach Frauen. Die Stadtregierung hat sich in ihrem Arbeitsübereinkommen dazu bekannt, NS-belastete Straßen in der Stadt umzubenennen. Nach der Umbenennung der Heinrich-Damisch-Straße im Jahr 2024 wurde heute, Donnerstag, im Kulturausschuss der Fahrplan für die Umbenennung von weiteren fünf Straßen mehrheitlich beschlossen.
„Diese Entscheidung fällt leicht: Statt fünf ehemaligen Nazis, Kollaborateuren und Profiteuren werden in Zukunft fünf Frauen geehrt, die sich um unsere Stadt verdient gemacht haben,“, erklärt Gemeinderat Markus Grüner-Musil. „Die Umbenennung der Straßen, basierend auf den neuen historischen Erkenntnissen, wäre der Volkspartei durchaus gut zu Gesicht gestanden. Dass es möglich ist, zeigt ja das Beispiel aus Linz: Dort wurde die Hans-Pfitzner-Straße umbenannt, und zwar mit den Stimmen der ÖVP“, stellt der Kultursprecher der Bürgerliste klar.
Jahrelanger Einsatz der Bürgerliste für Umbenennung von Nazi-Straßen
„Die Bürgerliste war und ist die zentrale politische Kraft beim Thema der Aufarbeitung der NS-Vergangenheit der Stadt. Unser Dank gilt in diesem Zusammenhang dem Historiker Gert Kerschbaumer, der sich seit Jahrzehnten für die Umbenennung der Thorak-Straße engagiert hat,” sagt Klubobfrau Ingeborg Haller. „Die jahrzehntelange Diskussion um die Thorak-Straße ist nur ein Beispiel dafür, wie Salzburg in der Vergangenheit mit braunen Straßennamen umgegangen ist. Der Schritt der Umbenennung ist daher ein wichtiges Symbol und längst überfällig“, so Haller weiter.
Trotz der klaren Expertise des historischen Beirats und der Empfehlung von notwendigen Umbenennungen wurden diese vor allem vom früheren ÖVP-Bgm. Preuner verhindert. Der politische Prozess der Umbenennung wurde stets auch von der FPÖ und auch von den NEOS verhindert, die SPÖ hat sich erst in den letzten Jahren diesem Schritt angenähert.
„Eine Straße nach einer Person zu benennen ist keine reine historische Bestandsaufnahme, es ist eine Würdigung im Sinne der demokratischen Werte unserer Stadtgesellschaft”, meint Kultursprecher Markus Grüner-Musil, „Diese Umbenennungen tragen dem Bewusstsein Rechnung, dass auch Künstler als wesentliche Mittäter des NS-Regimes gewirkt haben und daher mitverantwortlich sind. Dies zeigt sich im Besonderen an der Biografie des Komponisten Hans Pfitzner, der auch nach 1945 den Holocaust geleugnet hat“, so der Gemeinderat weiter.
„Für die Bürgerliste ist damit der Prozess der Umbenennung von stark belasteten NS-Straßen aber nicht abgeschlossen. Unser Ziel ist es, dass auch die verbleibenden sieben Straßen rasch umbenannt werden“ so Ingeborg Haller, Klubobfrau der Bürgerliste, abschließend. Sie verweist in diesem Zusammenhang auf Art. 9 Z 2 des Staatsvertrages und der sich daraus ergebenden Verpflichtung, alle Spuren des Nationalsozialismus aus dem politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Leben zu entfernen.